Vorträge und Berichte

 

Relevante Vorträge stellen wir hier zur Verfügung sowie
eigene oder fremde Berichte von Interesse

 

 


29.05.2017

Windkraftanlagen – tödliche Gefahr für Vögel und Fledermäuse

 

Kirchwald. Auf dem Weg zu sauberem Strom sind Windkraftanlagen eine Möglichkeit, doch auch die bergen ihre Nachteile. Sichtbar wird der eklatanteste Makel der beliebten Technologie beispielsweise bei einem Besuch der Wildvogelstation in Kirchwald. Regelmäßig bringen Spaziergänger schwer verletzte Vögel hierher, die mit den riesigen Rotorblättern der Windriesen kollidiert sind. Erst kürzlich versuchte die Vorsitzende der Vogelstation, Tierärztin Dr. Anja Baronetzky-Mercier, den zerschmetterten Flügel eines Rotmilans wiederherzustellen. Eine Spaziergängerin hatte den hilflos am Boden kauernden Vogel bei den Windkraftanlagen in Volkesfeld gefunden. Oft gelingt es der versierten Fachfrau, ihre gefiederten Patienten zu heilen und fit für die Freiheit zu machen, doch dieser Rotmilan hat weniger Glück: "Leider ist der Flügel so stark verletzt, dass der Vogel nicht mehr fliegen kann; ihn in die Freiheit zu entlassen ist daher unmöglich", bedauert Dr. Anja Baronetzky-Mercier, deren oberstes Ziel die Auswilderung ihrer Patienten ist. Besonders für die Milane stellen Windräder eine große Gefahr dar, weiß die Expertin: "Milane jagen leider besonders gerne im Bereich der Windkraftanlagen, da sie als Aasfresser dort tote Tiere finden. Dabei werden sie dann leider auch selber erwischt." Immerhin hat sich der Vogel in einer großen Voliere mit Leidensgenossen einigermaßen schnell akklimatisiert und kann so noch ein gutes, behütetes Vogelleben unter Obhut der Tierschützer führen. "Das funktioniert nicht immer", weiß Tierpfleger Philipp Lang, einer der Mitarbeiter der Vogelstation, "es gibt Vögel, die schaffen das nicht - sie geben sich in Gefangenschaft auf und sterben relativ schnell." Schon das Anfassen durch Menschen sei für viele Wildvögel purer Stress, typisch ist dabei die herausgestreckte Zunge, viele stellen sich tot.

 

Nur wenige Vögel finden den Weg in die Praxis

Vor wenigen Tagen wurde ein Bussard aus Bermel in die Praxis von Dr. Anja Baronetzky-Mercier in Mayen gebracht. "Der Vogel ist ebenfalls einem Windrad zum Opfer gefallen", berichtet die Tierärztin. Der Unterarm, also Elle und Speiche seien gebrochen, sie habe ihn umgehend operiert. Es sei überhaupt ein Glück, wenn die Tiere gefunden würden: "Meistens läuft das leider anders ab: Der Vogel kollidiert mit dem Windrad, stürzt mit gebrochenem Flügel oder anderen Verletzungen ab und anschließend kommt ein Fuchs vorbei - der Vogel hat keine Chance", beschreibt Dr. Baronetzky-Mercier das traurige Schicksal vieler Tiere. Da die Windräder im Wald oder zumindest in der Natur stünden, würden überhaupt nur sehr wenige Windradopfer gefunden, "die meisten verschwinden einfach", weiß die Vogelschützerin. In den letzten Jahren kamen nur fünf bis zehn Windradopfer pro Jahr in Kirchwald an. Der Naturschutzbund Deutschland ("NABU") geht von 10.000 bis 100.000 getöteten Tieren pro Jahr aus. Oftmals sind Fuchs und Marder schneller aber auch nicht jeder Spaziergänger geht mit offenen Augen durch die Welt und wird auf ein verletztes Tier aufmerksam. Außerdem trauen sich manche Menschen nicht so einfach an ein Wildtier heran, gerade wenn es sich um einen großen Greifvogel mit markantem Schnabel handelt. Doch mit der richtigen Taktik ist das ein sicheres Unterfangen: "Ein einfacher Weg ist, ein Kleidungsstück, beispielsweise die Jacke oder einen Pullover vorsichtig über das verletzte Tier zu legen uns es so zusammen mit dem Kleidungsstück zu transportieren", empfiehlt Tierpfleger Philipp Lang. Für längere Transporte eigneten sich mit Luftlöchern versehene, dunkle Kartons am besten. Die Tiere können in Kirchwald, aber auch gleich in der Mayener Praxis von Dr. Baronetzky-Mercier abgegeben werden.

 

Tödliche Gefahr – ohne direkte Kollision

Nicht nur für große Greifvögel stellen Windkraftanlagen eine lebensbedrohliche Gefahr dar. Noch gefährlicher als für Vögel sind die Windräder für Fledermäuse; die deutlich höhere Zahl an toten Tieren im Umfeld von Windkraftanlagen belegt das klar. "Die meisten Fledermäuse sterben allerdings nicht durch eine direkte Kollision mit den Rotorblättern", erklärt Dr. Anja Baronetzky-Mercier, "die meisten erleiden ein sogenanntes "Barotrauma" und verbluten innerlich." Windkraftanlagen verursachen in ihrer Umgebung extreme Luftdruckverhältnisse, die die kleinen Vampire mithilfe ihres Echolot – Systems nicht erspüren können. Plötzlicher Unterdruck kann dafür sorgen, dass sich die Lungen der Tiere stark ausdehnen, was dazu führt, dass Lungenbläschen platzen und Blutgefäße reißen – das führt unweigerlich zum Tod. Bisher gibt es keine technischen Möglichkeiten, Vögel und Fledermäuse vor Windkraftanlagen zu schützen. Alleine die Standortwahl kann Leben retten - das belegt eine Studie des Michael-Otto-Instituts des "NABU". "Windkraftanlagen haben in Wäldern und an Küsten ebenso wenig verloren, wie im Bereich der Zugrouten von Fledermäusen und Zugvögeln", weiß auch Dr. Anja Baronetzky – Mercier. Naturschutzbehörden setzen sich nun dafür ein, dass gerade die Belange von Vögeln und Fledermäusen bei die Planung neuer Standorte für Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Für viele Tiere kommen jedoch die neuen Erkenntnisse zu spät, gegen die Umsiedlung bestehender Windkraftanlage spricht der große finanzielle Aufwand. Daher sind Spaziergänger und Tierfreunde aufgefordert, nach verletzten Tieren Ausschau zu halten, damit wenigstens einige in den Händen von Dr. Baronetzky-Mercier und ihrem Team in Kirchwald landen. Immerhin ist das dann Glück im Unglück.

Bericht auf... blick-aktuell.de

 

Text: Blick aktuell / SOT. Bild: Blick aktuell / SOT.


29.02.2016

"Rotkäppchen lügt"

 

Glaubt man der Märchenerzählung vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf, dann hat die Bestie doch tatsächlich Rotkäppchens Großmutter gefressen und ist nicht ungewillt, sich auch noch Rotkäppchen, gewissermaßen als Dessert, einzuverleiben. "Doch Rotkäppchen lügt", sagt Hans-Peter Flick, einer der 32 rheinland-pfälzischen Luchs- und Wolfsbeauftragter. Auf Einladung der NABU-Gruppe Mayen hielt der Fachmann jetzt im Zusammenhang mit deren Jahreshauptversammlung erneut einen Vortrag im Hotel-Restaurant "Zur Post" in Welling. Stand im vergangenen Jahr der Luchs im Mittelpunkt seiner Ausführungen, war es jetzt der Wolf. Dabei wurde deutlich, dass die Angst vor dem "Raubtier" eigentlich unbegründet ist.

 

Anmerkung der Redaktion: "Wölfe durchstreiften bis vor rund 150 Jahren auch noch die Eifelregion. Erst aufgrund der gnadenlosen Jagd auf ihn wurde er ausgerottet. Der letzte Wolf in der Eifel wurde angeblich 1888 bei Auel in der Vulkaneifel geschossen. Andere Quellen berichten, dass 1890 in der Nordeifel bei Monschau noch zwei Wölfe erlegt worden seien. Und 1870 wurde auch noch ein Wolf in der Nähe der Baraque Michel in Hohen Venn erlegt. In manchen Jahren, insbesondere in harten Wintern, drangen die Wölfe auch in die Dörfer ein, um dort Vieh zu reißen. Aber über all die Zeit hinweg ist nicht erwiesen, dass jemals ein Mensch Opfer eines Wolfes geworden wäre. Es kursieren bloß Gerüchte, die allerdings nicht belegbar sind."

 

Wölfe sind intelligente und anpassungsfähige Tiere. Sie verfügen über äußerst empfindliche Sinnesorgane, können hervorragend sehen und hören und überaus gut riechen. Überdies verfügen sie über ein außergewöhnlich starkes Gebiss. Was ihnen in den Fang gerät, dass ist verloren. "Mühelos können sie ein Rückgrat durchbeißen", so Flick. Freilaufende Hunde, die irrtümlich in ein Wolfsrevier eindringen und von diesen ausgemacht werden, werden als Konkurrenten angesehen und sofort getötet. Doch der Mensch muss keine Angst vor Isegrim haben, "der gehört nicht ins Beuteschema der Tiere", erfuhren die zahlreichen Zuhörer vom Wolfsbeauftragten Flick, der sich schon seit Jahren intensiv mit den beiden Großkarnivoren Luchs und Wolf auseinandersetzt.

 

Wölfe sind schlau und sehr scheu. Normalerweise gehen sie den Menschen aus dem Wege. "Kommt es zu direkten Begegnungen mit Wölfen, dann handelt es sich meist um Jungtiere, die neugierig sind und ihre Umgebung erkunden", so Flick. In derartigen Fällen sollte man nicht auf das Tier zugehen, sondern einfach stehenbleiben und notfalls in die Hände klatschen. Der Wolf würde sich dann von dannen machen. Flick nahm an Seminaren teil, war auch in der Lausitz, wo es mehrere Wolfsrudel gibt. Mit den dort forschenden Wissenschaftlern kam er "hautnah" mit den Tieren in Berührung. "Ein Wolf, den wir sahen, nahm überhaupt keine Notiz von uns. Für ihn waren wir nicht exístent", so seine Erlebnisse. Von der Lausitz aus machen sich auch immer wieder Jungtiere auf die Wanderschaft, um selbst geeignete Reviere zu finden. "Über kurz oder lang werden wir es auch hier mit einem Wolf zu tun bekommen, noch eher als mit einem Luchs", so die Einschätzung des Fachmannes. Um in sich in Sachen der Großkatze weiterzubilden, war er im vergangenen Jahr auch im Schweizer Jura, das wegen seines gesunden Luchsbestandes bekannt ist. In der dortigen Szenerie wurden ihm Risse, Losungen und Trittsiegel vom Luchs präsentiert. "Dort sind fast alle Luchse besendert. Man weiß also zu jeder Zeit, wo sich welcher Luchs gerade aufhält", berichtet er. Das Wissen, das sich Flick angeeignet hat, gibt er gerne an Interessierte weiter. Auch in Schulen hält er Vorträge. Immer in der Gewissheit, das Luchs und Wolf eine Bereicherung der heimischen Tierwelt darstellen.

 

"Der Luchs scheint auf eine breitere Akzeptanz zu stoßen, als der Wolf", stellt Flick fest. Ist der Luchs selbst bei dem einen oder anderen Jäger noch ein geschickter Mitjäger, so sieht das beim Wolf schon anders aus. Isegrim kann insbesondere in der Jägerschaft kaum mit einem "Herzlichen Willkommen" rechnen. Das zeigte sich auch in der sich dem Vortrag anschließenden Diskussion. So wurde beispielsweise befürchtet, dass beim Auftauchen von Wölfen in unserer Region das Wild noch viel mehr beunruhigt würde als schon jetzt und die Jäger ihre Abschusszahlen nicht mehr erfüllen könnten. Flick beruhigte: Ein starkes Wolfsrudel wird sich hier bei uns nicht halten können. Dafür ist die Struktur der mit Ortschaften und zahlreichen Straßen zersiedelten Landschaft nicht geeignet. Schon jetzt würden in Deutschland zahlreiche Wölfe dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Mit Einzeltieren sei aber durchaus zu rechnen. Überdies verwies Flick auf die Störungen beim Wild durch die Jäger selbst. "Durch eine oftmals falsche Bejagungsweise kommt das Wild doch schon jetzt in zahlreichen Revieren kaum noch zur Ruhe. So ist es ein Unding, wenn beispielsweise an Wildäckern und Kirrungen gejagt wird", so der Fachmann. Was bliebe dem Wild denn anderes übrig, als sich zurückzuziehen und Verbissschäden anzurichten? Walter Kemp, Vorsitzender der Kreisjagdgruppe Mayen-Koblenz bemängelte in diesem Zusammenhang auch die Tradition der Staatsjagden, die nicht selten auch in strengen Winter vorgenommen werden, in denen Wildtiere Not leiden, zumal von den Behörden ein Fütterungsverbot erlassen worden sei.. "Es liegt in unserer Hand", Flick ist selbst Jäger, "in dieser Richtung etwas zu ändern", so der Referent.

 

Während der Luchs als Einzeljäger unterwegs ist, geht der Wolf normalerweise im Rudel auf die Jagd. Dabei erweist er sich als äußerst ausdauernd. "Eine Strecke von 70 Kilometern in der Nacht zurückzulegen, ist für den Wolf normal", so Flick. Im Rudel gibt es eine Art Arbeitsteilung, die sich bei der Jagd als äußerst wirksam erweist. Haben die Tiere erst einmal eine Witterung aufgenommen, dann gibt es kein Halten mehr. Die Beute wird aufgestöbert und gemeinsam erlegt. Im Rudel wagt sich der Wolf sogar an Elche. Immer wieder werden von den Tieren auch die Grenzen des eigenen Reviers abgelaufen, um zu verhindern dass Tiere fremder Rudel eindringen. Kommt es zu Begegnungen mit fremden Wölfen, dann gibt es äußerst harte Auseinandersetzungen. Gerät ein Haushund irrtümlich in ein Wolfsrevier, dann ist es um ihn geschehen. Der Hund wird vom Wolf als Konkurrent angesehen und unmittelbar nach seiner Entdeckung getötet, zumindest aber derart übel zugerichtet, dass er später meist stirbt. Beutetiere werden schon auf große Entfernungen ausgemacht. Taucht ein Mensch im Revier auf, dann zieht sich der Wolf geräuschlos zurück, noch ehe er überhaupt vom Menschen ausgemacht wird. "Der Wolf ist defensiv. Selbst eine Kinderstube würde er sich selbst überlassen, wenn er Gefahr verspürt. Bei Wildschweinen ist das völlig anders. "Die sind ungleich gefährlicher, wenn es um den Schutz der Jungtiere geht", so Flick. "Da würde ich niemandem empfehlen, sich in die Nähe einer Kinderstube zu wagen, das könnte böse ausgehen", warnt er.

 

"Der Gang des Wolfes ist federnd und etwas schlodderig. Er kommt hochbeinig daher. Der Schwanz weist nach unten. Der Körperbau ist mehr kastenartig, er fällt nicht, so wie etwa beim Schäferhund, nach hinten leicht ab. Die Ohren sind eher klein und der Fang ist seitlich hell", so Flick. Verfolgt man eine Wolfsspur so zeigt sich, dass diese über viele hundert Meter schnurgerade verläuft. Anders als beim Hund, der mal hier, mal dort nach links oder rechts ausschert. Nach Einschätzung Flicks ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns Wölfe oder Luchse nachgewiesen werden. Der Druck der Wolfspopulation im Osten, von denen immer wieder Tiere abziehen, ist groß. Bislang ziehen sie meist Richtung Norden, aber wer weiß, vielleicht wählt eines der Tiere auch mal eine andere Richtung. Hinzu kommen auch Wölfe, die in Frankreich leben. Für sie ist es nur ein Katzensprung bis zu uns. Erwarten wir gespannt die weitere Entwicklung in der Sache. Bereits jetzt erhält Flick mehr oder weniger regelmäßig Anrufe von Menschen, die nach eigener Überzeugung einen Wolf oder einen Luchs beobachtet haben wollen. Trotz genauer Nachforschungen konnte ein gesicherter Nachweis, der stets mit Fotos oder DNA-Material belegt sein muss, bislang für unsere Region nicht vorgelegt werden.

 

Der Wolfsvortrag fand auf Einladung des NABU Mayen und Umgebung in Zusammenhang mit deren Jahreshauptversammlung im Hotel-Restaurant "Zur Post" in Welling statt. Im vergangenen Jahr war es der Luchs, der im Mittelpunkt des Geschehens stand. Auch jetzt wieder war, zur Freude der Vorsitzenden Margot Bechtoldt und des Referenten Hans Peter Flick, das Interesse an der Veranstaltung sehr groß.

 

Text: NABU/Franz-Josef Dosio. Bild: NABU/Hartmut Knöffel.

 

Bild: NABU/Hartmut Knöffel.


27.02.2015

Der Luchs stand im Mittelpunkt

 

Hans-Peter Flick, Großkarnivorenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, hielt im Zusammenhang mit der jüngsten Jahreshauptversammlung des NABU Mayen und Umgebung einen interessanten und spannenden Vortrag über den Luchs. Es ist nicht auszuschließen, dass diese faszinierende Großkatze, die vor rund 150 Jahren in Rheinland-Pfalz ausgerottet wurde, vielleicht wieder, bislang noch unbemerkt, in den Wäldern von Eifel, Hunsrück oder Westerwald umherschleicht.

 

„Der hat Augen wie ein Luchs“ - dieses Sprichwort kommt nicht von ungefähr. Der Luchs kann aus 150 Metern Entfernung noch genau erkennen, ob er dort einen Maulwurfshügel vor sich hat oder ein Kaninchen - und das bei Dämmerlicht. Der frühe Morgen und die beginnende Nacht sind die bevorzugten Zeiten, in denen sich die Großkatze auf die Jagd begibt. „Luchse fressen ausschließlich Fleisch. Von Gras oder Wurzeln kann sich das Tiere nicht ernähren“, berichtet Hans-Peter Flick. Der ehemalige Kriminalbeamte beschäftigt sich seit seiner Pensionierung intensiv mit dem Luchs und dem Wolf. Bis vor wenigen Jahren ging er noch selbst auf die Jagd, hat dieses Hobby zwischenzeitlich aber aufgegeben. Ausgebildet zum Wolfs- und Luchsberater wurde er bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt. Dort sitzt Dieter Huckschlag, bei dem alle Erkenntnisse, die über die beiden Tierarten hier in Rheinland-Pfalz gemacht werden, zusammenfließen. Der letzte Luchs in Rheinland-Pfalz wurde 1769 im Pfälzer Wald erschossen. Aber wer weiß, vielleicht schleichhen eine oder mehrere der Katzen schon jetzt wieder in den Wäldern umher, eingewandert, ohne dass sie entdeckt wurden.

 

Luchse leben sehr heimlich. Für den Menschen sind sie laut Flick absolut ungefährlich. „Sie haben in etwa die Größe eines Schäferhundes“, beschreibt Flick die Statur der Luchse. Kennzeichnend ist auch ihr Stummelschwanz. Die Vorderbeine sind etwas kürzer als die kräftigen Hinterbeine, was ihm die leicht nach hinten angehobene Haltung verleiht. Auf Jagd geht er vorzugsweise in der Morgen- oder Abenddämmerung. „Der Luchs ist außerordentlich spurtstark. In wenigen Sekunden ist er von Null auf Siebzig, aber schon nach 30 bis 40 Metern verlassen ihn die Kräfte. Hat er bis dahin die ausgewählte Beute nicht gepackt, gibt er auf und zieht seines Weges“, berichtet Flick. Neben dem bereits erwähnten guten Augen besitzt der Luchs auch ein hervorragendes Gehör. „Noch auf 50 Metern kann er eine vorbeilaufende Maus ausmachen“, so Flick. Ob er in einem Revier anwesend ist, verraten unter anderem Risse, Trittsiegel oder auch Kratzspuren, die er mit seinen kräftigen Krallen beispielsweise an Buchen hinterlässt. „Dieses Kratzen dient nicht der Markierung, sondern nur der Schärfung der Krallen“, sagt Flick.

 

Als Luchsberater wird er zu Hilfe gerufen, wenn beispielsweise ein gerissenes Reh aufgefunden wird, dass Spuren aufweist, die eventuell von einem Luchs stammen könnten. Dazu gehören Krallenspuren auf dem Rücken oder an den Flanken des Tieres. Um festzustellen, dass tatsächlich das Tiere von einem Luchs erbeutet wurde, stellt Flick unfangreiche Untersuchungen an. Unter anderem werden Fraßstellen am Beutetier Speichelproben entnommen und der Hals nach Bissspuren nachgesehen. Luchse drücken der Beute nachdem sie sie zu Fall gebracht haben, die Kehle zu. Die Blutzufuhr zum Gehirn wird beim erbeuteten Tier so blitzschnell unterbunden. Der Tod tritt rasch  ein. In der Nähe des Fundortes schaut der Luchsberater auch nach Kot- und Urinspuren, die der Luchs eventuell dort hinterlassen hat. Es wird eine Fotofalle aufgestellt, die all das dokumentiert, was sich an der Beute zu schaffen macht. „Hat man Glück, dann ist auch der Luchs dabei, denn der kommt immer wieder zu seiner Beute zurück, um davon zu fressen. Meist beginnt er mit dem Verzehr der Keulen“, berichtet Flick. Rund 50 Rehe erbeutet ein Luchs im Jahr. "Das klingt zunächst nach sehr viel, aber man muss das Ganze relativieren, denn ein Luchs durchstreift ein Jagdrevier von rund 150 bis 200 Quadratkilometern Größe", so Flick.

 

Der Entnahme von Speichelproben an den Fraßstellen am Beutetier wird die größte Bedeutung zugewiesen, denn von ihnen lässt sich durch genetische Untersuchungen absolut sicher feststellen, ob ein Luchs hier zuschlug oder nicht. „Von allen bislang bekannten Luchsen liegen Gen-Dateien vor. So können die aufgenommenen Proben verglichen und einem Tier zugewiesen oder festgestellt werden, ob es sich um einen bislang unbekannten Luchs handelt“, weiß Flick. Auch Haare dienen der genetischen Bestimmung. Bei durch Fotos dokumentierten Tieren lassen sich diese durch die Maserung ihres Fells, dass bei jedem Tier unterschiedlich ist, genau bestimmen. Nicht jeder Beobachtung, die von der Anwesenheit eines Luchses künden, ist seiner Erfahrung nach Glauben zu schenken. Meist wird im Nachhinein festgestellt, dass es sich nicht um einen Luchs handelte, der da angeblich beobachtet wurde. Die Fachleute haben die Sichtungen in drei Kategorien (C1 bis C3) eingeteilt, die Aufschluss darüber geben, ob eine Beobachtung als sicher gilt oder nicht. Diese Einteilung wird von den Experten nach Erhebung ihrer Daten vor Ort vorgenommen.

 

Die sich dem Vortrag anschließenden Fragen aus dem Publikum zeigten, dass ein großes Interesse an der Großkatze in der Bevölkerung vorhanden ist. Das bewies aber auch die hohe Zahl der Teilnehmer der Veranstaltung. Um die 70 Gäste konnte Margot Bechtoldt, die Vorsitzende der NABU-Gruppe Mayen im Hotel-Restaurant „Zu Post“ in Welling willkommen heißen. Sie, wie auch Hans-Peter Flick, freuten sich darüber, dass nicht nur NABU-Mitglieder den Worten des Großkarnivorenbeauftragten lauschten, sondern dass auch zahlreiche Jäger der Kreisjagdgruppe Mayen-Koblenz anwesend waren, darunter deren Vorsitzender Walter Kemp. Auch er war angetan über die Resonanz, die sein Aufruf nach Teilnahme an dem Vortrag bei den Mitgliedern der Kreisjagdgruppe fand. Wahrscheinlich wird es zu einem weiteren Vortrag kommen, bei dem dann der Wolf im Mittelpunkt des Geschehens stehen wird. Der Wolf wird von den Experten noch eher in den heimischen Wäldern zurückerwartet als der Luchs. Mehrere Beobachtungen gab es bereits.

 

Info: Rheinland-Pfalz besitzt ein Netzwerk von Großkarnivoren-Beauftragten. Hans-Peter Flick ist einer von ihnen. Insbesondere bittet er die Jäger um Mithilfe. Im Falle von Luchs- oder Wolfssichtungen oder verdächtigen Spuren ist er unter der Rufnummer 0172/6806604 zu erreichen. Beobachtungen können aber auch direkt der sogenannten Großkarnivoren-Hotline in Trippstadt mitgeteilt werden. Deren Nummer lautet: 06306/911199.

 

Text: NABU/Franz-Josef Dosio. Bild: NABU/Hans Pollin.


30.01.2015

Südlich von Siegen fotografiert: Es streift wieder ein Wolf durch die Region

 

Siegen/Westerwald. Es gibt wieder einen Wolf in der Region! Südlich von Siegen unweit der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz ist ein Tier von einer Fotofalle geknipst worden. Der erste Wolf im Westerwald seit 120 Jahren war im April 2012 von einem Jäger irrtümlich erschossen worden.

 

 

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Eingeweihte Wolfsfreunde hatten gespannt gewartet auf das Ergebnis des "Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland" (LUPUS) in Spreewitz: Eine Nachtaufnahme, schwarz-weiß, aufgenommen von einer privaten Wildkamera am 22. Januar um 0.42 Uhr. Im Kreis Siegen-Wittgenstein, in einem Ort südlich von Siegen unweit der Landesgrenze, hatte eine Fotofalle das Bild gemacht. Und die Experten sind sich sicher: Es ist ein Wolf. Damit streift wieder ein Tier durch die Region.

 

Noch genauer verrät das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen auch auf Nachfrage nicht, wo das Tier fotografiert wurde. Nach Informationen unserer Zeitung war es im Bereich Pfannenberg zwischen Siegen und Neunkirchen, östlich von Brachbach und Mudersbach im Kreis Altenkirchen. Es ist aber eigentlich unerheblich: Wölfe haben einen großen Radius, wandern in einer Nacht schon mal 70 Kilometer. Deshalb wird auch geprüft, ob es sich vielleicht um das Tier handelt, das schon Ende Dezember im Kreis Minden-Lübbecke festgestellt wurde. Geklärt werden soll das im Labor für Wildtiergenetik des Senckenberg-Institutes in Gelnhausen, dem nationalen Referenzzentrum für genetische Analysen bei Wolf und Luchs. Dort wird nun eine DNA-Analyse vorgenommen. Denn der Wolf bei Siegen könnte Speichelspuren hinterlassen haben, er fraß dort von einem Rehkadaver. Mit dem hatte der Besitzer der Kamera eigentlich Füchse anlocken wollen. Im Kreis Minden-Lübbecke ist durch DNA-Spuren der dortige Wolf bereits identifiziert.

 

2012 hatte für große Betroffenheit gesorgt, als nahe Hartenfels bei Hachenburg der erste im Westerwald gesichtete Wolf nach 120 Jahren erschossen entdeckt wurde. Das Tier war wenige Wochen vorher erstmals aufgefallen. Ein 71-Jähriger aus Bad Honnef hatte das Tier erschossen - weil er es für einen Hund gehalten hatte, wie er sagte. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen eine Zahlung von 3500 Euro eingestellt, der Mann gab zudem seinen Jagdschein ab und verkaufte seine Waffen.

Bericht auf... rhein-zeitung.de

 

Text: Rhein-Zeitung. Bild: Fotofalle/umwelt.nrw.de.

 

Bild: Polizei (o.l.); Bernd Eßling (o.r.).


20.12.2015

Vogelzählung am Ulmener Jungferweiher

 

Das Naturschutzgebiet ist ein traditionelles Beobachtungs- areal des NABU Mayen und Umgebung, in dem Klaus Bittner und andere Mitglieder schon viele Jahre lang auf die Pirsch gehen. Dazu wurde der Beobachtungsstand vor einiger Zeit erneuert und gesichert – auf Anfrage ist auch der Schlüssel für Interessierte erhältlich.

 

Nun hatte sich Klaus Bittner die Aufgabe gestellt, das ausliegende Beobachtungsbuch im Rahmen eines Langfristmonitorings für die Jahre 2013 und 2014 auszuwerten. Die Ergebnisse fasste er in einem Bericht für den Landesfachausschuss Ornithologie des NABU Rheinland-Pfalz zusammen, der im Anhang nachzulesen ist.

 

Text: NABU/Franz-Josef Dosio. Bild: NABU/Hartmut Knöffel.